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Eine Definition, die Legasthenie als Geschenk ansieht, weil mit den legasthenen Problemen auch besondere Talente verbunden sind, fällt völlig aus dem Rahmen üblicher Erklärungsversuche. Davis wechselt dabei Paradigmen (Begrifflichkei-ten), die so in der derzeitigen Diskussion nicht üblich sind. Wie bereits im Link "Entstehung" erläutert, beruht die Davis®-Methode ganz wesentlich auf der Selbsterfahrung von Davis selbst. Für ihn und sein Team war es dabei nicht vorrangig, die Methode auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen. Vorrang hatte vielmehr, eine Methode zu entwickeln, die wirklich das Problem lösen kann und die daran gemessen wird, wie weit das gelingt. Aber Davis bewegt sich dabei nicht in einem wissenschaftsfreien Raum. Vor allem beruft er sich auf drei Namen:

Als Erste nennt er Maria Montessori, die schon vor hundert Jahren der sensorischen Erziehung primäre Bedeutung bei der Entwicklung des Intellekts
zusprach. Begriffsbildung und abstraktes Denken sind nur möglich auf der
Basis der bildhaften, sinnlichen Objekterfahrung der Wortbedeutung. Dies versucht sie durch ihre "Montessori-Materialien" entscheidend zu fördern.
Das "Lernen mit allen Sinnen", aus der modernen Pädagogik nicht mehr
wegzudenken, hat hier seinen Ursprung. Was bei Montessori vor allem
Holzmaterialien sind, ist bei Davis die Knete. Er orientiert sich dabei an einem weiteren Grundsatz der Montessori-Pädagogik, nämlich dem Grundsatz
der selbständigen und selbsttätigen Erziehung der Kinder (Montessori: "Hilf
mir, es selbst zu tun"). So ist es ein ganz wesentliches Prinzip der Davis-methode, die Eigenverantwortlichkeit des Kindes zu respektieren und zu stärken.

Der Zweite ist Jean Piaget, der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts durch bis dahin unbekannt präzise Untersuchungen die geistigen Entwicklungsstufen des Kindes herausfand, und als erste Stufe ähnlich wie Montessori das "anschaulich-praktische Denken" nannte, dem Davis wiederum vor allem mit der Technik der Symbolbeherrschung (Knettechnik) folgt.

 Der Dritte ist Howard Gardner, ein führender Kognitionswissenschaftler (Wissenschaft der Denkprozesse). Er hat schon früh den Abschied vom IQ
erklärt und in den letzten Jahren den Begriff der "multiplen Intelligenz(en)" geprägt, eine Abwendung von der einseitigen, in den Schulen vorrangig angesprochenen sprachlich, mathematisch-logischen Intelligenz hin zu einer "Vielfalt des menschlichen Geistes". Davis ist ihm gefolgt, wenn er von Legasthenie als Hinweis auf Talente spricht (Gardner würde Intelligenzen sagen), die Denkprozesse bevorzugen, die anders ablaufen als die linear-logischen Prinzipien des Umgangs mit Schriftsymbolen.

Jüngste computertomographische Untersuchungen bestätigen ebenfalls die
Thesen Gardners und den Davisansatz. Sie haben ergeben, dass Menschen ihr
Gehirn bei ein und derselben Tätigkeit, hier dem Lesen, auf unterschiedliche
Weise nutzen, so auch Legastheniker. Dabei nutzen nichtlegasthenische gute
Leser vor allem drei Bereiche der linken Gehirnhälfte, das Sprech-, das Hör-
und das Wortbedeutungszentrum. Wenn Legastheniker auf diesen Pfaden lesen
lernen sollen, also die gleichen Gehirnbereiche nutzen, ist das ein äußerst
mühsamer und oft wenig erfolgreicher Weg. Überraschend stellte sich nun
heraus, dass ursprünglich schwache Leser (Legastheniker), die gut lesen
gelernt haben, neben dem Sprechzentrum Bereiche der rechten Gehirnhälfte
nutzen, vor allem das viuell/räumliche Vorstellungszentrum.

 Es ist also vor allem ein methodisches Problem. Was für andere gut ist, der
Weg über das Lautieren (Hörzentrum), ist für Legastheniker methodisch schlecht, weil es an den von ihnen genutzten Gehirnarealen vorbeigeht. Wer trotzdem lesen gelernt hat, hat es vermutlich trotz der Methode gelernt, weil er einen eigenen Weg gefunden hat.

 
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