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Ein überarbeiteter Auszug aus dem Ausbildungshandbuch für fortgeschrittene Davismethoden, aus Dyslexic Reader, Herbst 1997

Die gleichen Verfahren, die für die Davis®-Legastheniekorrektur verwendet werden, können auch einem ADS-Kind (oder -Erwachsenen) helfen, Selbst-kontrolle zu erreichen und die Probleme beim Fokussieren der Aufmerksamkeit und dem Halten der Aufmerksamkeit bei einer Tätigkeit zu überwinden. Um dies zu erreichen, erweitern wir die Orientierungsberatung mit einer Technik, die Energieskala genannt wird. Die Symbolbeherrschung wird allerdings nicht nur als Hilfe für das Leseverständnis angewendet, sondern ebenso als ein Mittel für Schüler, um die grundlegenden Basisbegriffe zu meistern, die notwendig sind, um eine bewusste Selbstwahrnehmung und Selbstkontrolle erreichen zu können. Desorientierung und verzerrte Wahrnehmung verursachen weit mehr als nur Symptome der Legasthenie. Ein legasthenisches oder ADS-Kind benutzt Desorientierung für die eigene Unterhaltung. Es kann sein, daß solch ein Kind für Stunden ohne Ende desorientiert ist und sich seine Vorstellungswelt kreiert, in der es spielt. Was wir als Realität akzeptieren, ist das, was wir erleben. Wir können eine Erfahrung nur erleben, indem wir sie wahrnehmen. Deshalb ist Realität das, was wir als Realität mit unseren Sinnen wahrnehmen. Wenn Desorientierung auftritt, wird die Wahrnehmung verzerrt. Eine Person, die desorientiert ist, erlebt eine Realität, die so nicht von anderen erlebt oder erfahren wird - eine falsche oder sich verändernde Realität. Je länger die Desorientierung anhält, umso mehr veränderte Realität wird erlebt.

Wie Desorientierung begriffliches Verstehen unterminiert oder schwächt

Aufgrund häufiger Desorientierung lernen viele Legastheniker oder ADS-Personen nicht die Grundlektionen des Lebens. Ursache und Wirkung existieren nicht in der sich verändernden Vorstellungswelt oder einer sich verändenden Wirklichkeit eines desorientierten Kindes. Aufgrund dessen erlernt das Kind nie den Begriff der Konsequenz. Zusätzlich hat das Kind ein verzerrtes Erleben von Zeit. Eine Minute kann dementsprechend sehr lang oder sehr kurz sein, aber sie ist nie gleich lang. Ein Mensch, der Zeit gleichbleibend erlebt, kann einen verinnerlich-ten Sinn dafür entwickeln, wie lange es dauert, bis eine Minute vergeht. Die meisten Kinder haben bereits im Alter von fünf Jahren ein Bewusststein vom Ablauf der Zeit. Im Alter von sieben Jahren können sie das Vergehen von ungefähr fünf Minuten einschätzen. Aber ein desorientiertes Kind erlebt den Ablauf von Zeit nicht gleichbleibend und entwickelt daher auch keinen verinnerlichten Sinn für den Ablauf von Zeit. Selbst als Teenager oder Erwachsener nicht. Mit einem verinnerlichten Zeitsinn werden wir auch einen verinnerlichten Sinn für Reihenfolge entwickeln. Das bedeutet, daß wir verstehen, wie Dinge aufeinander folgen, eines nach dem anderen. Wenn wir Zeit und Abfolge haben, werden wir ebenso einen verinnerlichten Sinn für Ordung im Gegensatz zu Unordnung entwickeln. Aber ohne den Zeitsinn können wir nie fortschreiten und die Bedeutung von Reihenfolge oder Ordnung verstehen.

Warum Desorientierung zu sozial unakzeptablem Verhalten führt

Ein desorientiertes Kind erlebt folgende Probleme:

– Verzerrung bei visuellen oder auditiven Wahrnehmungen,

– Änderungen in der Zeitwahrnehmung und

– Umkehrung des Gleichgewichts- und des Bewegungssinns.

Wenn wir uns jede einzelne Erfahrung nacheinander anschauen, sehen wir, wie die Desorientierung zu Verhalten führt, die mit ADS, Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität in Zusammenhang gebracht werden.

Verzerrte Wahrnehmungen von Klang und Bild

Ein Kind, das Verzerrungen im Klang erlebt, hört entweder nicht das, was Leute ihm sagen, oder hört ihre Worte unkorrekt. Also antwortet es natürlich unange-messen. Es denkt, dass es das tut, worum es gebeten wurde, aber die anderen erleben dieses Kind, als wenn es Widerstände zeigt oder als wenn es handelt, ohne nachzudenken. Da die Sicht ebenfalls verzerrt ist, sieht das Kind auch die Aufgabe, mit der es beschäftigt ist, nicht korrekt oder beständig, also macht es Fehler. Häufig kann das Kind die Wahrnehmungsverzerrungen stoppen und ein Gefühl der Kontrolle wiederherstellen, indem es seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenkt. Es wurde desorientiert, konnte die Aufgaben nicht mehr sehen oder hören, verlagerte seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes, um sich zu reorientieren und kehrte nie dazu zurück, seine Aufgabe zu beenden.

Verzerrungen des Zeitsinns

Wenn sich die Zeitwahrnehmung einer Person verändert, verändert sich auch die physische Kraft und die Ausdauer. Ein Kind, dessen innere Uhr sich chronisch schneller bewegt, lebt zwei oder drei Minuten, während andere nur eine leben. Es hat nicht nur mehr Zeit, es hat auch größere Kraft und Ausdauer. Die Welt bewegt sich zu langsam für das Kind und das Kind bewegt sich zu schnell für jeden anderen.

Impulsivität

Impulsivität wird beschrieben als das Handeln vor dem Denken. Ein Kind, das denkt, indem es nonverbale Begriffsbildungsfähigkeiten anwendet – bildhaftes Denken – denkt um vieles schneller, als ein Kind, das verbale Begriffsbildung anwendet. Wenn ein Kind den Anschein erweckt, aufgrund eines Impulses zu handeln, heißt das nicht, dass es die Dinge nicht durchdacht hat. Es bedeutet vielmehr, dass sein Geist so schnell rennt, dass es so aussieht, als hätte es nicht genügend Zeit zum Nachdenken. Leider, aufgrund der gewohnheitsmäßig verzerrten Wahrnehmung des Kindes, entwickelt es kein Verständnis von Konsequenz oder Ordentlichkeit. Also beinhalten seine Gedanken auch kein Bewusstsein von sozial-akzeptablen Einschränkungen, so wie z.B. dem Warten, bis man an der Reihe ist.

Schwierigkeiten beim sich Abwechseln

Weil ihr Zeitsinn verzerrt ist und bereits über lange Zeiten hinweg verzerrt gewesen ist, haben Kinder, die sich desorientieren, keinen Begriff von Ordnung im Gegensatz zu Unordnung, Reihenfolge und Zeit. Abwarten, bis man selbst an der Reihe ist, heißt, sich in einer Reihenfolge zu befinden. Die Ordnung besteht darin, dass der Nächste in der Abfolge auch als nächster an die Reihe kommt. Beide Begriffe sind einem desorientierten Kind fremd. Es hat kein Bewusstsein davon, dass die anderen warten, um an die Reihe zu kommen, weil es kein Bewusstsein von Zeit, Reihenfolge oder Ordnung hat. Es sieht die Rutsche und möchte hinunterrutschen. Also rennt es hinüber und versucht die Stufen hinauf zu klettern. Jemand sagt ihm: "Geh zum Ende der Reihe und warte bis Du dran bist!" Überrascht und ärgerlich darüber, dass es gescholten wurde, drängelt es einfach seinen Weg die Stufen hinauf, bis es sein Ziel erreicht hat. Sein Verhalten ist sozial unakzeptabel, weil es sich ohne den Begriff von Zeit, Reihenfolge und Ordnung nicht darüber bewußt sein kann, dass die anderen Kinder darauf warten, bis sie an der Reihe sind. Ohne einen Sinn für Zeit gibt es so etwas wie Warten nicht.

Gleichgewicht und Bewegung

Das sich desorientierende Kind hat das Gefühl, dass es sich bewegt, auch wenn es dies nicht tut. Wenn es versucht stillzusitzen, wird es sehr wahrscheinlich Übelkeit in der Magengegend wahrnehmen. Also entgegnet es der falschen Empfindung, indem es beginnt, sich zu bewegen. Es wird nervös, bewegt seinen Fuß oder wackelt mit dem Kopf – dies gibt ihm das Gefühl, als säße es still. Es fühlt seine rastlosen Bewegungen nicht, es hat kein Bewusstsein davon, dass dies passiert, bis jemand es darauf aufmerksam macht.

Was ist die Lösung?

Weil ein Kind kein Verhalten verändern kann, von dem es kein Bewusstsein hat, müssen diesem Kind die Werkzeuge der Orientierung gegeben werden und dann muss es ein Bewußtsein von seiner inneren Uhr und seinem Energieniveau ver-mittelt bekommen. Nach der Orientierungsberatung verwendet ein Davisberater eine Technik, die Energieregler genannt wird. Das Kind schafft sich mittels seiner Vorstellung einen Regler oder einen Thermostat, so dass es die persön-liche Kontrolle über die Einstellung seiner inneren Uhr erhält. Dadurch, dass das Kind andere Kinder beobachtet und ein Bewusstsein entwickelt, wie der Energieregler bei anderen Kindern eingestellt ist, zeigt der Berater dem Kind einen greifbaren Weg, wie es seinen eigenen Energieregler auf dieselbe Stufe einstellen kann. Dann hilft der Berater dem Kind, den Begriff der Konsequenz zu meistern. Durch die Symbolbeherrschung lernt das Kind, dass alles, was passiert, ein Ergebnis von etwas anderem ist. Aufgrund der Wahrnehmungs-verzerrungen des Kindes in der Vergangenheit hat es vielleicht nie vorher die Verbindung zwischen seinen eigenen Handlungen und den Reaktionen anderer hergestellt. Hat das Kind einmal Konsequenz verstanden, muss es die Begriffe Zeit, Reihenfolge und Ordnung vs. Unordnung meistern. Dies tut es durch weitere Anwendung der Symbolbeherrschung mit der Anleitung eines Davis-beraters.

Es mag für ein Kind oder einen Erwachsenen Zeit in Anspruch nehmen, eingefleischte Gewohnheiten zu überwinden. Jedoch mit Hilfe der Orientierung hat die Person keine verzerrten Wahrnehmungen mehr und beginnt, den Verlauf von Zeit beständig wahrzunehmen. Sie wird bald in derselben Welt leben wie andere Personen um sie herum und wird anfangen, sich entsprechend zu verhalten.

© DDAI, 1996-2005. Alle Rechte vorbehalten.

 
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